Es gibt Städte, die man besucht. Und es gibt Iquitos, das man eher betritt wie eine Filmkulisse, die niemand mehr abgebaut hat. Wer mit Werner Herzog und Klaus Kinski im Hinterkopf hierherkommt, sucht nicht nur ein Reiseziel. Er sucht den Ort, an dem ein Mann ein Schiff über einen Berg ziehen ließ, weil die Vernunft ihn nicht aufhalten konnte. Dieser Geist ist immer noch da, in bröckelndem Putz, in portugiesischen Kacheln und in der schweren, feuchten Luft am Fluss.

Die unwahrscheinlichste Stadt der Welt

Zwischen etwa 1880 und 1914 geschah etwas, das im Rückblick fast unglaublich wirkt. Die Welt verlangte nach Gummi. Reifen, Dichtungen, die ganze junge Industrie der Mobilität hing am Kautschuk, und der Kautschuk wuchs im Amazonasbecken. Über Nacht wurde der Regenwald zu einem tropischen Klondike, und Iquitos, ein Hafen tief im Dschungel, ohne Anbindung an irgendetwas, wurde zur peruanischen Hauptstadt des Reichtums.

Das Absurde daran: Diese Stadt hatte kaum richtige Straßen, aber sie war obszön reich. Das Geld kam über den Fluss, und über den Fluss kam auch alles andere. Eine Legende, die man hier gern erzählt, besagt, dass die Kautschukbarone ihre Hemden zum Waschen nach Europa schickten, weil ihnen das Wasser des Amazonas nicht fein genug war. Ob das stimmt, weiß niemand. Aber dass die Geschichte überhaupt erzählt wird, sagt alles über den Größenwahn dieser Jahre.

Dann, 1914, war es vorbei. Asiatische Plantagen, ordentlicher und billiger zu bewirtschaften, brachen den Preis. Der Boom verging so schnell, wie er gekommen war. Was blieb, ist eine Stadt, die für einen Reichtum gebaut wurde, den es nicht mehr gibt. Genau das macht sie heute so fotogen.

Carlos Fermin Fitzcarrald, der reale Mann hinter dem Mythos

Bevor Herzog kam, gab es den echten Mann. Carlos Fermin Fitzcarrald war ein realer Kautschukbaron, und seine Geschichte braucht keine Ausschmückung. In den 1890er Jahren stand er vor einem Problem, das unlösbar schien: Zwei Flusssysteme, die er beide nutzen wollte, waren durch Land getrennt. Kein Kanal, kein Weg, nur Wald.

Seine Lösung war von einer Logik, die an Wahnsinn grenzt. Er ließ ein Dampfschiff zerlegen und Stück für Stück über Land tragen, von einem Flussbecken ins andere, um es auf der anderen Seite wieder zusammenzubauen. Es funktionierte. Fitzcarrald selbst lebte nicht lange genug, um daraus eine Legende zu machen, er ertrank jung. Aber die Tat blieb. Später wurde sein Name französisch verfremdet zu Fitzcarraldo, und damit beginnt der zweite Teil dieser Geschichte.

Herzog und der unmögliche Film

Werner Herzog hat die Geschichte nicht nur verfilmt. Er hat sie wiederholt. In Fitzcarraldo von 1982 wollte er nicht tricksen, nicht mit Modellen arbeiten, nicht mit Studiomagie. Er zog ein echtes Boot über einen echten Hügel. Kein Trick, keine Miniatur, sondern ein reales Schiff, das mit roher Kraft über einen Hang im Regenwald bewegt wurde.

In der Hauptrolle: Klaus Kinski, dessen Augen genau jene Mischung aus Besessenheit und Verzweiflung tragen, die der Stoff verlangt. Wer wissen will, was es wirklich gekostet hat, diesen Film zu machen, sollte die Dokumentation Burden of Dreams sehen. Sie zeigt, dass die eigentliche Geschichte nicht die im Film war, sondern die hinter der Kamera. Der Wahnsinn des Barons und der Wahnsinn des Regisseurs sind hier kaum noch zu unterscheiden, und genau deshalb funktioniert beides.

Wenn man das im Kopf hat und dann durch Iquitos geht, verschiebt sich etwas. Der Fluss ist nicht mehr nur ein Fluss. Er ist die Bühne für eine Idee, die zu groß war, um vernünftig zu sein.

Der Mercado de Belen in Iquitos, Herzschlag der alten Kautschukstadt am Amazonas

Der Rundgang zu Fuß

Das Schöne ist: Man braucht keine Tour, keinen Guide, keinen Bus. Das historische Zentrum lässt sich in etwa zwei Stunden zu Fuß erlaufen, im richtigen Tempo, also langsam, mit der Kamera in der Hand. Ein paar praktische Hinweise vorweg, denn die Mittagshitze hier ist kein Spaß, sondern brutal. Gehen Sie früh am Morgen los oder erst ab 16 Uhr. Der Sonnenuntergang am Malecon ist ohnehin der beste Schlusspunkt der Runde.

  • Casa de Fierro und Plaza de Armas. Das Eisenhaus ist das beste Symbol für die Verrücktheit dieser Epoche. Ein komplettes Gebäude aus Eisen, in Europa entworfen (dem Studio von Eiffel zugeschrieben), Stück für Stück verschifft und an der Plaza wieder montiert. Heute sind unten Geschäfte. Die Plaza de Armas davor ist der natürliche Startpunkt jeder Runde.
  • Die Azulejos in der Calle Prospero. Hier sieht man, wohin das Geld floss. Die Fassaden sind mit portugiesischen Azulejos verkleidet, glasierten Kacheln, importiert aus einer anderen Welt, um mitten im Dschungel europäischen Glanz vorzutäuschen. Manche bröckeln, manche leuchten noch. Beides ist ein gutes Foto.
  • Malecon Tarapaca und das ehemalige Hotel Palace. Die Uferpromenade ist der Ort, an dem die Stadt zum Fluss hin atmet. Hier stand das ehemalige Hotel Palace, ein weiteres Denkmal der reichen Jahre. Bleiben Sie zum Sonnenuntergang, das Licht über dem Wasser ist genau das, wofür man hergekommen ist.
  • Belen. Der härteste, dichteste, lebendigste Teil. Belen ist kein Museum, sondern ein Viertel, das am und auf dem Wasser lebt. Wer den Mythos Iquitos verstehen will, muss auch das sehen, das laute, ungeschönte Gegenstück zu den Kacheln und dem Eisenhaus.

Wo übernachten und weiterlesen

Damit dieser Rundgang funktioniert, hilft es, im historischen Zentrum zu wohnen, nur Minuten von jeder dieser Stationen entfernt. Das Bora Hotel Iquitos liegt zentral in der Calle Raimondi 363, wenige Minuten von der Plaza de Armas und dem Malecon. Nach der schweren Hitze des Tages ist ein Zimmer mit Klimaanlage kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

Zur Ausstattung gehören ein Flughafentransfer rund um die Uhr, Frühstück inklusive, eine kostenlose Gepäckaufbewahrung (praktisch für den letzten Tag vor einem späten Flug), eine 24-Stunden-Rezeption, WLAN, ein Schreibtisch im Zimmer sowie die Möglichkeit einer Firmenrechnung. Fragen lassen sich direkt per WhatsApp klären, unter +51 945 572 732.

Wenn Sie die cineastische Runde mit dem Rest der Stadt und dem umliegenden Regenwald verbinden möchten, finden Sie alles Praktische gebündelt im kompletten Reiseführer für Iquitos. Herzog hat hier ein Boot über einen Berg gezogen. Eine Runde zu Fuß durch die alte Kautschukstadt schaffen Sie auch ganz ohne Dampfschiff.